Einsatzbericht:
Es erfolgte die zeitgleiche Alarmierung der SEG Schiffssicherung/Team Feuerwehr Brunsbüttel und der für diesen Bereich auf dem NOK zuständige Freiwilligen Feuerwehr Burg (Kreis Dithmarschen) um 02.21 Uhr über Funkmeldeempfänger durch die IRLS West.
Mitten auf dem Nord-Ostsee-Kanal zwischen Burg und Kuden (Kanalkilometer 12) ist der Maschinenraum des mit 6.100 Tonnen beladenen 99 m langen Tankschiffes „Neptunus“ in Brand geraten. Durch das beherzte Zusammenarbeiten der Burger und der Brunsbütteler Feuerwehren konnte aber eine Katastrophe an Bord des Heizöltankers vermieden werden.
Eine defekte Kraftstoffförderpumpe hatte eine Leckage hervorgerufen. Dadurch konnte etwa 200 Grad heißes Schweröl austreten und auf andere Bauteile spritzen. Vermutlich ist dann durch einen Kurzschluss das Feuer ausgebrochen. Vor allem der in der Ausweiche Kudensee liegende Schlepper des Passagierschiffs "Maxim Gorki" habe einen schlimmeren Unfall verhindern können. "Der Schlepper drückte den Tanker, der den Kanal blockierte, in die Böschung", sagt Goos. Die Besatzung habe so dafür gesorgt, dass ein entgegenkommender Chemietanker und eben die "Maxim Gorki" schon gegen kurz vor vier Uhr den Havaristen passieren konnten.
Ablaufprotokoll:
Alarmierungsmeldung der IRLS West:
„ Feuer im Maschinenraum des schwedischen Tankers Neptunus auf dem NOK, in Höhe Kanalkilometer 12. Drei Personen werden vermisst. " Die IRLS West wurde von der Verkehrslenkung NOK des WSA Brunsbüttel über den Notruf 112 verständigt.
Von der IRLS West wurden zwei Fähren in Absprache mit der Verkehrslenkung des WSA Brunsbüttel unverzüglich zu den Fährstellen auf die Nordseite beordert. Die Fähre Burg wurde durch die FF Burg (20 FM) mit LF 8 und GW sowie zwei RTW und Notarzt besetzt.
Die SEG Schiffssicherung/Team Brunsbüttel rückte insgesamt mit 40 Einsatzkräften an:
ELW 1 40/79/1
WLF AB Schiff 40/65/2
GW Schiff 40/59/1
LF 16/12 Ort 42/44/1
LF 16/12 Nord 40/44/1
TLF 60/45/45 40/29/1
ELW mit Boot 40/11/1
ELW mit Boot 42/11/1
Die 1.Löschgruppe der SEG Brunsbüttel besetzte zwischenzeitlich mit der Stärke 1/3/12=16 (FM) unter Leitung des Anschnittsführers OBM Jan Schreiber, die Fähre Kudensee mit Wechseladerfahrzeug und dem Abrollbehälter Schiffsbrandbekämpfung, dem Gerätewagen Schiffssicherung und einem LF 16/12.
Die Leitung der SEG Schiffssicherung und die 2.Löschgruppe fuhren über Land direkt die Einsatzstelle an. Die Kleinboote der Feuerwehr Brunsbüttel wurden später für Logistik-transporte und dem Übersetzen von weiteren Einsatzkräften als Shuttle eingesetzt.
Die 3.Löschgruppe (LG Süd) sollte den Feuerlöschschlepper „Bugsier 11“ besetzen. Dieser war allerdings bereits ohne die Feuerwehr direkt zur Einsatzstelle ausgelaufen, nachdem er neben dem zufällig in Brunsbüttel liegenden „Bugsier 15“ von OCC als Assistenzschlepper eingesetzt worden war.
Der Feuerlöschschlepper „PARAT“ war zu diesem Zeitpunkt personell außer Dienst gemeldet und konnte von der Fa. Schramm auch nicht aktiviert werden. Nach 45 Minuten wurde daraufhin mit der Einsatzleitung Feuerwehr abgesprochen, dass der Schlepper „Manus“ eingesetzt und von der LG Süd besetzt wird.
Um 02.50 traf die Leitung der SEG Schiffssicherung der Feuerwehr Brunsbüttel, BRAR Stephan Zollmer mit dem ELW 1 (40/79/1) am Ufer an der Einsatzstelle ein.
Erste Phase erster Augenschein:
Die "Neptunus" trieb manövrierunfähig und vor Anker quer zum Ufer auf dem Kanal. Das Feuer hatte für einen Stromausfall gesorgt. An Bord ging nichts mehr - ein so genannter blackout. Der Schlepper „Holtenau“ ging als Assistenzschlepper gerade längsseits und sicherte den Havaristen. Über Seefunk konnte zwar der Funkverkehr mitgehört werden, eine Verbindung von Land konnte aus technischen Gründen von der Feuerwehr zum Havaristen aber nicht aufgenommen werden.
Um 03.06 Uhr ging der erste Angriffstrupp der FF Burg an Bord und hatte eine externe Wasserversorgung von der Fähre zum Havaristen aufgebaut und die erste Lageerkundung durchgeführt. Der Gemeindewehrführer FF Burg, HBM Jens Stegemann, übernahm die Einsatzleitung von der Fähre im Leitstand aus. Die Besatzung hatte bereits den Verschlusszustand im Maschinenraum hergestellt und die CO² Löschanlage ausgelöst. Jrrtürmlich wurde der Feuerwehr die Meldung „Feuer aus“ gegeben, was nach dem Vorgehen des ersten Erkundungstrupps, nicht bestätigt werden konnte.
Der Leiter der SEG Schiffssicherung Brunsbüttel ging um ca. 03.25 Uhr an Bord des Havaristen. Die Aufbauten und die Brücke waren zu diesem Zeitpunkt vollständig verraucht und die Brücke aus diesem Grund verlassen. Auf dem Maindeck wurde die gemeinsame Einsatzleitung zwischen Kapitän, Lotse und technischem Einsatzleiter Feuerwehr gebildet.
Es wurde abgesprochen, dass der Wehrführer Burg zuständigkeitshalber weiterhin die Gesamteinsatzleitung Feuerwehr übernimmt und die Feuerwehr Brunsbüttel die Aufgabe des technische Einsatzleiters sowie die Einsatzabschnittsbildung auf dem Havaristen.
Der in Höhe der Einsatzstelle an Land eingesetzte ELW 1 (40/79/1) der Feuerwehr Brunsbüttel, wurde als Technische Einsatzleitung (TEL) zur Kommunikation mit der IRLS West und dem HK/MLZ, zur Lage -führung und -dokumentation sowie als Ansprechpartner vor Ort befindlicher Einheiten/ Personen/ Stellen eingesetzt. Im Laufe des Einsatzes wurde in der TEL mit Vertretern des WSA Brunsbüttel und dem LNA eine gemeinsame Einsatzleitung gebildet. Der LNA stand somit stets in Kontakt mit dem auf der Fähre eingesetzten Rettungsdienst und dem Einsatzleiter Feuerwehr.
Der Lotse der „Neptunus“ übernahm die OSC Aufgaben und stand in allen Phasen des Einsatzes dem technischem Einsatzleiter Feuerwehr als Ansprechpartner zur Verfügung.
Nach erster Lageerkundung und Absprache mit dem Kapitän, dem Lotsen (OSC) und dem zwischenzeitlich vom Brandort zurückgekehrten „Chief“, konnte der genaue Brandort und die Brandausbruchstelle im Maschinenraum im Bereich des Thermalöl Boilers lokalisiert werden. Mit Hilfe des Fire Control and Safety Plan wurde zwischen der Schiffsführung, dem OSC und dem Einsatzleiter der SEG Schiffssicherung die genaue Position des Brandherdes und der sicherste Angriffsweg, ohne den Verschlusszustand aufzuheben, abgesprochen.
Der direkte Weg zum Maschinenraum, der zunächst von der FF Burg erkundet wurde, konnte nicht als direkter Angriffsweg durch das bereits erhitze und sichtbar Lack abplatzende Schott zum Maschinenraum vom Poopdeck aus gewählt werden, da hinter dem Schott der Brandherd direkt vermutet wurde und hierzu der Verschlusszustand aufgehoben worden wäre. Durch die schlagartige Sauerstoffzufuhr konnte eine Durchzündung sowie die Gefährdung der Einsatzkräfte nicht ausgeschlossen werden. Es wurde die Einsatztaktik festgelegt, den Verschlusszustand nicht aufzuheben, dadurch begründet umgingen die Einsatzkräfte der SEG Schiffssicherung in einem Viermanntrupp in Begleitung des Chiefs- , den direkten Zugang und näherten sich dem Brandherd über einen ca. 90 – 120 m langen Angriffsweg, der durch den Fire Saftey and Control Plan und anhand der eingesetzten C-Längen und der Schlauchreserve ermittelt wurde, vom Poopdeck über Niedergänge in das darunter liegende Deck und von dort aus über das Emergency Exit in den Engine Control Room und von dort aus in den Maschinenraum. Unter Deck wurden mit der Wärmebild-kamera Temperaturen von 60°–90° gemessen, im Engine Control Room bis zu 140° und im Maschinenraum zwischen 300°-600°. Beim Einsatz von Sprühstrahl erhöhte sich die Temperatur im Engine Room schlagartig auf über 800°.
Die Gruppenführung des Untereinsatzabschnitts der Angriffstrupps (Atemschutzkanal 55) übernahm BM Köster, der auch die Einsatztaktik vor Ort vorgab und mit seemännischem Sachverstand das Vorgehen direkt koordinierte. Die Einsatzabschnittsführung Brand-bekämpfung auf dem Havaristen übernahm OBM Schreiber, der über den Führungskanal 50 in direktem Kontakt zum technischen Einsatzleiter stand. Zwei Sicherheitstrupps wurden bereit gestellt und die Atemschutzüberwachung durchgeführt. Den Einsatzabschnitt der Unterstützungstrupps und die Logistik von der Fähre aus, übernahm die FF Burg auf Sprechfunkanal 53. Der Einsatzabschnitt Land wurde über Sprechfunkanal 56 abgewickelt.
Die Erkundung des ersten Angriffstrupps ergab, dass der Maschinenraum im Deckenbereich und im Bereich des Thermalölboilers in Vollbrand stand. Der zweite Angriffstrupp übernahm dann die erste Brandbekämpfung mittels Hohlstrahlrohr. Von den Unterstützungstrupps wurde vorsorglich parallel ein Schaumangriff von der Fähre aus aufgebaut.
Die Schlepper „Bugsier 11 und 15“ sicherten den Havaristen und wurden für die evtl. sofortige Abschottung der Ladung und den Decksaufbauten mittels Werfern, in Stellung gebracht. Der Schlepper „Manus“ kontrollierte den Rumpf des Schiffes nach Erhitzung und bereitete entsprechende Kühlungsmaßnahmen vor. Ein Trupp wurde mit Ex-Meßgeräten eingesetzt, die Atmosphäre im Bereich der Aufbauten des Tankers stets zu messen.
Der Angriffstrupp meldete, dass durch ein abgerissenes Strahlrohr an der von der Besatzung als erstes vorgenommen C-Leitung, das Deck über dem Maschinenraum bereits Knie hoch voll gelaufen war. In der weiteren Phase wurden Tauchpumpen eingesetzt und das mit Öl vermischte Löschwasser, in Absprache mit der Schiffsführung, direkt über C-Schläuche in die Sloptanks gepumpt, zunächst über die Entlüftungsöffnung. Anschließend wurde am Maniful ein internationaler Schiffs-Landanschluss angeflanscht und das Löschwasser direkt in die Sloptanks gepumpt.
Das Feuer wurde durch stets nachströmendes Thermalöl genährt. Nach Absprache mit dem Chief, konnte im Paint Store ein Schieber geschlossen werden und somit das Nachfließen gestoppt werden. Die Brandbekämpfung zeigte hiernach erste Erfolge. Der Einsatz mit Sprühstrahl mittels Hohlstrahlrohren war erfolgreich, sodass ein Schaumangriff nicht mehr eingesetzt wurde.
Insgesamt wurden 6 Viermann-Angriffstrupps direkt im Maschinenraum und zwei Sicherungstrupps vor Ort (32 PA) eingesetzt.
Gegen 04.50 Uhr morgens konnte Feuer unter Kontrolle und nach der Kotrolle durch einen weiteren Trupp mittels Wärmebildkamera, Feuer gelöscht gemeldet werden.
"Die geladenen rund 6 100 Tonnen Heizöl waren zu keiner Zeit in Gefahr. Und auch die Kanalschifffahrt konnte nach einer kurzfristigen Sperrung des Nord-Ostsee-Kanals ihren normalen Betrieb wieder aufnehmen", sagt Dieter Goos, Leiter des Wasser- und Schiff-fahrtamtes Brunsbüttel. Öl sei nicht ausgetreten, das Löschwasser in einem speziellen Tank an Bord gesammelt worden.
Zwei weitere Schlepper fixierten das 1991 gebaute und vor zwei Jahren generalüberholte Schiff und schleppten es am nächsten Morgen nach Brunsbüttel. Hier untersuchten Fachkräfte von Polizei und Feuerwehr die Brandursache. Über die Schadenshöhe ist noch nichts bekannt Noch am folgenden Tag, wurde die "Neptunus" mit zwei Schleppern durch den Kanal nach Frederica (Dänemark) zu einer Reparaturwerft gebracht. Dort sollte auch die Ladung dann auf einen anderen Tanker gepumpt werden.
gez. Zollmer
(Brandamtsrat)
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